Lob sei dem Herrn der Welten, und das beste Gebet und der vollkommenste
Gruß gehört unserem Propheten Muhammad, seiner Familie, seinen Gefährten und
alle, die ihm folgen.
Allah der Erhabene sagt: „Oh ihr Gläubigen setzt euch für
Allahs Befehl ein, seid gerechte Zeugen, und auch die Schlechtigkeit mancher
Leute soll euch davon abhalten, gerecht zu sein. Seid gerecht, das kommt der
Gottesfurcht am nächsten … und fürchtet Allah, denn Allah weiß, was ihr tut.“(5,8)
Zu diesem Vers gibt es einen Anlass: Der Gesandte Allahs
schloss, als die Götzengläubigen die Muslime den Zugang zum heiligen Haus in
Mekka verwehrt haben, trotzdem mit ihnen einen Friedensvertrag. Einige seiner
Gefährten verstanden das überhaupt nicht und schlugen vor: „Lasst und diese
Leute vertreiben, wie sie uns vertrieben haben“. In diesem Moment offenbarte
Allah diesen Vers.
Allah sagt uns in dem Vers sinngemäß: „Wenn ihr mit jemandem
streitet, dann lasst euch nicht zu blindem Hass verführen. Denn Hass lässt kein
Haus auf dem anderen stehen und vernichtet alles. Passt auf, dass euer Recht in
Betrug und Unrecht umschlägt, während ihr noch glaubt, dass ihr etwas Gutes tun
würdet!
Das göttliche System befielt in jeder Situation
Gerechtigkeit, sogar im Umgang mit den üblichsten Feinden.
Das gilt für alle gesellschaftlichen Beziehungen und beginnt
in der Familie zwischen den Ehepartnern, unter Verwandte, Bekannten, Nachbarn
usw. Sie alle sollen miteinander korrekt umgehen und nicht immer nur schlecht
über den anderen denken und die guten Seiten zu ignorieren! Der Gesandte Allahs
sagte: „Der Gläubige ist nicht ungerecht
zu einer Gläubigen, wenn er eine Eigenschaft an ihr nicht mag, ist er mit einer
anderen zufrieden.“
Nicht selten sind familiäre Krisen und Scheidungen darauf
zurückzuführen, dass die Ehepartner immer nur die negativen Seiten ihrer
Ehepartner und Familienangehörigen sehen und auch bei Kleinigkeiten nachtragend
sind.
Das gilt auch für Freunde und überhaupt die Gesellschaft.
Ein falsches Wort kann dazu führen, dass Bekannte oder Freunde jahrelang nicht
mehr miteinander sprechen oder sich gegenseitig das Schlechteste wünschen! Und
wenn sie darauf angesprochen werden, bringen sie kein Lob über diesen Menschen
über ihre Lippen.
Das widerspricht der islamischen Denkweise.
Ein Grund für Ungerechtigkeit ist die Bildung von Klischees
und Vorurteilen. Z. B. sprechen manche Leute über ein bestimmtes Land, als ob
es eine Eigenschaft habe, und glauben dieses Gerede auch noch selbst! „Die
Syrer sind so und so“, „die Araber sind so und so“, sie „Christen sind so und
so“ usw.
Wie oft hast du es erlebt, dass jemand denjenigen, mit dem
er Streit hat, lobt? Leider viel zu selten, oder?
Vielleichthaben wir andere Lebenseinstellungen, vielleicht
denken wir anders, vielleicht sprechen wir eine andere Sprache oder haben eine
unterschiedliche Hautfarbe … aber müssen wir uns deswegen gegenseitig
beschimpfen und beschmutzen?
Hat uns der Gesandte Allahs – s.a s. nicht den Heuchler
unter anderem damit beschrieben, dass er zu
einem Unmensch wird, wenn er streitet.
Lasst uns ab jetzt nicht mehr in Falle gehen, aber das geht
nur, wenn wir Allah aufrichtig darum bitten, dass er uns noch gerechter macht.
Einmal war sich Imam Schafii in einer Schariafrage mit einem
anderen Gelehrten nicht einig. Sie diskutierten sehr lange und wurden immer
aggressiver. Als sie dann irgendwann endlich das Diskutieren aufhörten und
ihrer Wege gingen, drehte sich der Imam Schafii zu seinem Diskussionspartner
um, nahm ihn an der Hand und sagte: „Wir
können unterschiedlicher Meinung sein und dennoch Freunde bleiben!“


